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Malteser Hospizdienste Dortmund

GmS - Gib mir´n kleines bisschen Sicherheit

Malteser Hospizarbeit in Schulen

Seit 2012 bringen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen der Dortmunder Malteser Hospizdienste St. Christophorus ihre Erfahrungen im Umgang mit kranken, sterbenden und trauernden Menschen in den Arbeitskreis Schule ein und entwickelten ein Konzept für Unterrichtsbesuche in weiterführenden Schulen.
In Rahmen des Schulunterrichtes informieren wir über die Hospizarbeit und stehen Lehrer*innen und Schüler*innen kompetent für ihre Fragen zur Verfügung. Wir laden Kinder und Jugendliche ein, mit uns ins Gespräch zu kommen und neue Wege zu finden, Freude und Leid miteinander zu teilen.
Auf Wunsch und nach Absprache kommen wir in die Schule und gestalten gemeinsam Unterrichtsstunden oder einen Projekttag.
Das Thema findet nicht nur im Religions- oder Philosophieunterricht seinen Platz, sondern kann auch mehr text- oder musikorientiert in anderen Unterrichtszusammenhängen eine sinnvolle Ergänzung sein (z.B. Deutsch, Musik, Kunst).

Unser Beratungsangebot richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit Abschied nehmenden und trauernden Schüler*innen.

Grundlage aller Arbeit der Malteser Hospizdienste ist eine Ethik des Sorgens.
Wir verstehen unsere Arbeit als Beitrag zu einer neuen „Sorge-Kultur“ in einer immer stärker individualisierenden Gesellschaft.

Ansprechpartnerinnen:
Silke Willing und Almut Ledwig

Malteser Hospizdienste Dortmund
Hospizarbeit, Kinderhospizarbeit & Trauerbegleitung
Amalienstr. 21
44137 Dortmund
0231 8632902
0231 8632905
hospizdienste.dortmund(at)malteser(dot)org
malteser-hospizdienste-dortmund.de

 

Mitarbeiterinnen des ambulanten Hospizdienstes zu Gast im Kurs Katholische Religionslehre Q 2

Ein Erfahrungsbericht

Am Montag, dem 04. Februar 2013, waren drei Mitarbeiterinnen des Malteser Hospizdienstes (Amalienstraße) zu Gast im Grundkurs Katholische Religionslehre bei Frau Sindermann. Zunächst waren im Unterricht unterschiedliche Positionen zur aktiven Sterbehilfe diskutiert worden. Auch die Sterbephasen nach Frau Elisabeth Kübler-Ross und die Trauerphasen nach Frau Verena Kast waren bereits erarbeitet. Und nun erzählten drei Mitarbeiterinnen von ihren Erfahrungen in den Begegnungen mit Sterbenden und deren Angehörigen. Frau Willing als Koordinatorin ist eine der fünf hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig. Die meisten Menschen haben den Wunsch, zu Hause zu sterben. Der Hospiz-dienst unterstützt die Sterbenden bei diesem Wunsch. Das Leitmotiv dabei lautet: „Sterben heißt Leben bis zuletzt“.
Frau Kottmann erzählte als Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendhospizdienst, dass sie in einer Familie in besonderer Weise für die beiden Geschwisterkinder eines kranken Kindes von großer Bedeutung war. Weil sich beinahe die gesamt Aufmerksamkeit der Eltern auf das kranke Kind richtete, freuten sich die Geschwisterkinder, wenn Frau Kottmann auch Zeit für sie hatte.
Frau Döring begleitet Erwachsene. Sie lernt die Menschen erst kennen, wenn sie schon viel von dem verloren haben, was sie einmal waren. Das macht Begegnungen bisweilen für die Sterbenden leichter als Begegnungen mit den Menschen, die sie daran messen, was sie einmal  waren sowohl in Bezug auf die körperliche Gesundheit als auch auf die gesellschaftliche Stellung.
Insgesamt werden ca. 150-200 Menschen pro Jahr vom Malteser Hospizdienst in Dortmund begleitet. Über den Tod hinaus bestehen oft noch Kontakte zu den Hinterbliebenen, und auch die Trauerarbeit wird zum Teil noch von den ehrenamtlichen Helfern begleitet.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter werden durch einen Ausbildungskurs auf ihre Arbeit vorbereitet. Außerdem finden monatliche Treffen statt, bei denen man über die Erfahrungen reden kann, die man innerhalb der Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen macht. Von den Menschen, die diese Mitarbeiterinnen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet haben, hat noch niemand um aktive Sterbehilfe gebeten.
Anhand von Postkarten, die in der Mitte ausgelegt waren, kamen wir auch noch untereinander ins Gespräch über unsere Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod. Zuletzt wurde der Tod ein bisschen mit einer Geburt verglichen. Dies wird auch in einer Geschichte über Zwillinge deutlich, die sich im Mutterleib über die bevorstehende Geburt unterhalten:
D i e   Z w i l l i n g e 
Es geschah, dass in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden. Die Wochen vergingen, die Knaben wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewusstsein wuchs, stieg die Freude: „Sag, ist es nicht großartig, dass wir empfangen wurden? Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?“
Die Zwillinge begannen die Welt zu entdecken. Als sie aber die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab, da sangen sie vor Freude: „Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“
Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. „Was soll das heißen?“ fragte der eine. „Das heißt“, antwortete der andere, „dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht.“ - „Aber ich will gar nicht gehen“, erwiderte der eine, „ich möchte für immer hier bleiben.“ - „Wir haben keine andere Wahl“, entgegnete der andere, „aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!“ - „Wie könnte dies sein?“ fragte zweifelnd der erste, „wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie wollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß hier verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende!“
So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem.“ - „Aber sie muss doch existieren“, protestierte der andere, „wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?“
„Hast du je unsere Mutter gesehen?“ fragte der eine. „Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können.“ Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst.
Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Sie schrieen. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.

(Prof. Roman Heiligenthal, ev. Theologe an der Universität Koblenz-Landau, trug diese Parabel im Rahmen seines Vortrages Der verfälschte Jesus auf der Herbsttagung des BUNDES EV.RELIGIONSLEHRER UND -LEHRERINNEN AN GYMNASIEN UND GESAMTSCHULEN IN WESTFALEN UND LIPPE am 17.11.1998 in Villigst vor. Er verdankt sie Prof. Klaus Berger.)


Unser Flyer zum herunterladen


Literaturempfehlungen zu diesem Thema:

„Familienmedizin“
Autoren: Thomas Hegemann, Eia Asen, Peter Tomson
Verlag: Schattauer, F.K. Verlag (2000)
ISBN-10: 3794519787
ISBN-13: 978-3794519781

„Kinder körperlich kranker Eltern“
Autoren: Georg Romer, Miriam Haagen
Verlag: Hogrefe-Verlag; Auflage: 1. Aufl. (August 2007)
ISBN-10: 3801720322
ISBN-13: 978-3801720322

„Für immer anders - Das Hausbuch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds“
Autorin: Mechthild Schroeter-Rupieper
Verlag: Patmos Verlag; Auflage: 1. Sonderausgabe (1. Juni 2012)
ISBN-10: 384360245X
ISBN-13: 978-3843602457

„Trauernde Jugendliche in der Schule“
Autorin: Stephanie Witt-Loers
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
ISBN 978-3-525-77008-5


Weitere Informationen

Ansprechpartnerin Hospiz und Schule

Silke Willing
Krankenschwester Palliativ Care; Koordinatorin Erwachsenehospizdienst
Tel. (0231) 8632902
Fax (0231) 8632905
silke.willing(at)malteser(dot)org
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