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Malteser Hospizdienste Dortmund

Schön, dass Sie mich anrufen

Was macht eigentlich der Telefonbesuchsdienst? Und warum sind Telefongespräche manchmal besser als persönliche Treffen? Susanne Reimann ruft seit 2012 ehrenamtlich Menschen an und kann diese Fragen beantworten. Natürlich am Telefon.

30.09.2020

INTERVIEW Julia Knübel, FOTO Simon Jost

 

Was bedeutet Telefonbesuchsdienst?
Wir rufen Menschen an, die einsam sind, etwa weil sie keine Familie mehr haben, weil sie schwer krank sind oder alt. Wir nehmen uns Zeit für die Menschen. Es ist kein Besuch in den eigenen vier Wänden, sondern eben einer am Telefon. Wenn die Angerufenen das Bedürfnis haben, dass wir uns persönlich kennen lernen, dann geht das zum Beispiel bei den Jahreszeitenfesten der Malteser.

 


Wenn Sie jemanden anrufen, worüber sprechen Sie?
Die Angerufenen können einfach erzählen, von ihrem Tagesablauf, von ihrer Krankheit. Wir hören in erster Linie zu. Meist haben die Angerufenen das Bedürfnis viel zu erzählen und dann sind wir da. Wir wollen die Menschen ein bisschen aus der Einsamkeit herausholen. Manche Dinge werden mit uns auch besprochen, die die Angerufenen mit ihrer Familie nicht besprechen möchten, weil sie sie zum Beispiel nicht belasten wollen.

 

Wie laufen die Gespräche ab?
Einige Angerufene sind noch fit und können noch rausgehen, haben noch ihre Hobbys. Manchmal sind die Menschen aber auch nicht mehr mobil und haben
wenig soziale Kontakte. Jeder Mensch ist anders. Manche sind sehr redselig,manche sind wortkarg. Dann versuche ich Fragen zu stellen: Wie geht es Ihnen? Wie war Ihr Tag? Oder ich frage nach früher oder wir sprechen über die Jahreszeiten etwa über Weihnachten. Und wenn wir uns dann ein bisschen kennen, dann entwickelt sich meist von allein ein Gespräch.

 

Gibt es feste Uhrzeiten? Verabreden Sie sich einmal in der Woche für eine Stunde?
Das können wir planen, wie wir möchten. In den meisten Fällen telefonieren wir vormittags eine Stunde lang. Ich sage immer: „Wenn es Sie belastet oder Sie heute nicht sprechen möchten, dann sagen Sie einfach Bescheid.“ Ich nehme mich zurück, wenn ich merke, dass ich störe.

 

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?
Die Leute freuen sich und mit der Zeit sind wir ein bisschen verbunden. Die Menschen sagen dann: „Schön, dass Sie mich wieder anrufen. Das tut mir gut.“ Diese Dankbarkeit motiviert mich.

 

Was ist der Vorteil, wenn Sie jemanden anrufen und sie oder ihn nicht vor Ort besuchen?
Gerade ältere Menschen haben oft das Gefühl, dass Sie sich auf Besuch vorbereiten müssen. Sie fühlen sich dann vielleicht dazu verpflichtet, Kaffee und Kuchen zu servieren. Viele können das aber nicht mehr leisten. Auf einen Besuch per Telefon müssen sie sich nicht vorbereiten.

 

Und was ist der Vorteil für Sie? Warum haben Sie sich für dieses Ehrenamt entschieden?
Als ehrenamtliche Tätigkeit ist das sehr schön. Man muss nirgendwo hinfahren, sich nicht fertig machen, sondern greift einfach zum Telefon. Ich habe mich damals auf eine Anzeige von den Maltesern in den Ruhrnachrichten gemeldet. Seit 2012 bin ich dabei. Bevor ich mit der Arbeit angefangen habe, gab es eine Einführung. Da haben wir zum Beispiel über Datenschutz gesprochen und darüber wie ich den Menschen am Telefon begegnen kann. Es ist ein Ehrenamt, bei dem ich mit wenig Aufwand viel Wirkung erzielen kann. Das gefällt mir.

 

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE15370601201201216024  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7